Dem Schönen, Wahren, Guten. 125 Jahre Gewerbeverein Griesheim

oder: "Die Gründerzeit bringt den Menschen neue Hoffnung".

Dieser Beitrag wurde uns mit freundlicher Genehmigung vom Griesheimer Anzeiger, Wolfgang Bassenauer, zur Verfügung gestellt.
Inhalt:

Nach Revolutionen und Kriegen folgte ein Aufbruch in eine neue Zeit

1888 – Nach dem Tode von Wilhelm I. und Friedrich III., wird Wilhelm II. König von Preußen und Deutscher Kaiser. Im selben Jahr beginnt Vincent van Gogh im französischen Arles seine Hauptwerke zu malen, in Brasilien wird die Sklaverei aufgehoben. Im selben Jahr entdeckt Wilhelm Hallwachs den lichtelektrischen Effekt, die Grundlage der Photozelle; und Heinrich Hertz erzeugt und untersucht elektromagnetische Wellen im UKW-Bereich. Es ist auch das Jahr, in dem sich der Griesheimer Bürgerverein gründete und sich später im Gewerbeverein fortsetzte. Basierend auf diesen Aktivitäten feiert der Gewerbeverein Griesheim e.V. in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum.

Jahrhundert der Revolutionen

Das 19. Jahrhundert war ein bewegter Zeitabschnitt, und seine Beleuchtung ist bedeutsam, um die vermutlichen Ursachen der Gründung eines solchen, zuvorderst karitativen Vereins, zu erfassen. Dieses Jahrhundert läutete Revolutionen ein, die das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen nach neuen Grundsätzen ordnen wollten. Die Amerikanische Revolution hatte schon im ausgehenden 18. Jahrhundert verkündet, dass alle Menschen als Gleiche zur Welt kommen und dass ihr Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück unveräußerlich ist. Die Französische Revolution folgte ihr mit der Verheißung der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Aber die Ära der Revolutionen brachte eine Kette von Kriegen hervor, die ein Menschenalter lang nicht abriss. Die Zerstörungen und Verwüstungen der Kriegsepochen vernichteten die Chance auf das zu erstrebende Glück und drosselten die Freiheit.

Technik und Wirtschaft

Gewerbeausstellung 1929

Bei der Gewerbeausstellung 1929 wurde auch das hier gebaute
GMG-Motorflugzeug (GMG = Gebrüder Müller Griesheim) mit Stolz gezeigt.

Die ersten Revolutionen und die Kriege, die aus ihnen folgten, erschöpften sich indes nicht in der Zerreißung der überlieferten gesellschaftlichen Bande. Sie waren zugleich der Motor neuer Entwicklungen auf der Ebene von Technik und Wirtschaft. Je nachdem, wie man den ursächlichen Zusammenhang begreifen will, erscheint die politische Revolution als Vorspiel oder als Begleiterscheinung der industriellen Revolution.

Weg von der Scholle

Die industriellen Bestrebungen aber, so segensreich ihre Fernwirkungen sein mochten, brachten zunächst unsagbares Elend. Ob sie es waren, die die traditionelle gesellschaftliche Verfassung des Dorfes umwälzten, ob umgekehrt erst diese agrarische Umwälzung die Voraussetzung schuf für die Unterwerfung des menschlichen Daseins unter die Gebote der industriellen Technik oder ob beides so ineinandergreift, dass Ursache und Wirkung nicht mehr zu trennen sind, lässt sich für Griesheim mit seinem insgesamt ländlichen Charakter kaum feststellen. Wichtig ist, dass viele Menschen von der Scholle losgelöst wurden und ihr Glück in den neugegründeten Betrieben suchten, zu denen auch die ehemals ältesten Griesheimer Betriebe, der Fahrzeugbau Nothnagel oder die Baustoffhandlung Valentin Hofmann XIV., zählten.

Zeitalter des Fortschritts

Das finstere Zeitalter des Untergangs wurde zum Zeitalter des Fortschritts, an den die Pioniere, die damaligen Firmengründer, glaubten: die Pioniere der Maschine, der Technik, der Industrie ebenso wie die Pioniere der sozialen Befreiung, die ihre revolutionären Banner entrollten. Zu ihnen gehörte auch Valentin Bassenauer II., der vor 125 Jahren den Verlag des „Griesheimer Anzeiger“ gründete, der bis heute das lokale Geschehen publizistisch begleitet. Auf der Fahne des alten Bürgervereins heißt es deshalb nicht umsonst: „Dem Schönen, Wahren, Guten“.

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Die Firma Hassinger, Hintergasse, und Merker,
stellten bei der Gewerbeschau 1929 Herde des
Herstellers Roeder aus Darmstadt aus.

Hoffnung auf bessere Zeiten

Gemeint war damit sicherlich nicht nur ein in schwülstiger Ausdrucksform dargestellter Optimismus, sondern die tief empfundene Hoffnung nach besseren Zeiten. Dass in diesen Jahren mehr Lebensmut in Griesheim keimte, beweisen auch die Gründungen von Griesheimer Gesangvereinen, des Obst- und Gartenbauvereins und der Darlehenskasse als dem Vorläufer der Volksbank. Die an der Schwelle des Jahrhunderts geborene Vision vom Zusammenbruch verschmolz mit dem optimistischen Fortschrittsglauben der Aufklärungsphilosophen der vorrevolutionären Zeit zu einem neuen Bewusstsein. Muss der Fortschritt nicht doch mächtiger sein als alles Althergebrachte?

Demokratisierung

Ein zwiespältiges Zeitalter! Es fängt mit Kriegen an und bringt lokal begrenzte, kriegerische Auseinandersetzungen wie den deutsch-französischen Krieg 1870/71, ohne jedoch tiefgreifende Entwicklungen ernsthaft zu hemmen. Im Rückblick wird deutlich, dass die Ära politischer Reformen Schritt für Schritt den Menschen die Teilnahme an politischen Entscheidungen ermöglichte und das politische Geschehen fortschreitend demokratisierte.

Ein Pfad aus der Ärmlichkeit

Das Engagement des damaligen Bürgervereins – insbesondere auf dem sozialen Gebiet – zeigt, wie gemeinschaftliche Selbsthilfe einer Bevölkerung einen Pfad aus der Ärmlichkeit zu finden imstande war. Teilhabe also der breiten Einwohnerschaft am gesteigerten Ertrag der gesellschaftlichen Arbeit. Man muss sich einmal das technische und wirtschaftliche Fazit dieses Jahrhunderts vor Augen führen, um zu sehen, wie gründlich seine materiellen Errungenschaften die Vorstellungen von einem unentrinnbaren Schicksal der Menschen Lügen strafen. Denn im Gegensatz zu mancher pessimistischen Kritik am degenerierenden Einfluss der industriellen Zivilisation ist die Lebensqualität der Bevölkerung gerade dort am sinnfälligsten gewesen, wo wirtschaftliche Kräfte zum Aufschwung verhalfen.

 

 

125-Jahre GvGWie alt ist der Gewerbeverein?

Von den Ursprüngen und den Wurzeln des früheren Bürgervereins

Der Gewerbeverein Griesheim e.V., der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert, geht in seiner Historie zurück auf den einstigen Bürgerverein. Den ersten Protokollen des Bürgervereins entsprechend, lässt sich die Gründung auf den 18. Dezember 1887 im damaligen alten Rathaus in der Oberndorfer Straße datieren. Dem Vorstand gehörten damals an: Bürgermeister Johannes Massing, Oberlehrer Seibert, Polizeidiener Schick, Verleger Valentin Bassenauer II., Stabstrompeter Guckert, Zimmermeister Philipp Müller, Schreinermeister Philipp Massing, Uhrmacher Heinrich Becker, Gastwirt Heinrich Seibert, Schreinermeister Heinrich Massing und Weißbindermeister Peter Keller.

 

 

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Vor der Kegelbahn des „Darmstädter Hofes“ in der Wilhelm-Leuschner-Straße
setzte sich der Vorstand des Bürgervereins kurz vor der Jahrhundertwende
zusammen. Aus dem Bürgerverein leitet sich der heutige Gewerbeverein ab.
Der Bürgerverein hatte jedoch ein wesentlich breiteres Betätigungsfeld,
wurde auch in sozialen Bereichen sowie in Fragen der Volksbildung aktiv
und war Mitinitiator für die Gründung der Volksbank, des Obst- und Gartenbauvereins,
einer Sonntagszeichenschulemit Berufsschulcharakter usw.

,,Fragekasten“ bei Problemen

Bereits in den ersten Januartagen (7. 1. 1888) des neuen Jahres fand im Gasthaus „Zur Harmonie“ die erste Sitzung statt. Offensichtlich galt einer der ersten Beschlüsse einer besseren Information der Mitglieder und Bürger. So steht unter dem 15. Januar 1888 zu lesen, dass ein „Fragekasten“ eingerichtet wurde, in den Bürger und Interessenten ihre Fragen zu anstehenden Problemen schriftlich einreichen konnten. Da ging es unter anderem um die Beschaffung, Pflanzung und Pflege verschiedener Obstsorten, oder um die Frage, wo es einen Spar- und Vorschussverein gibt. Am 26.1.1888 flattern den Verantwortlichen Fragen auf den Tisch nach einer Gemeindekrankenkassenversicherung, einer Ortskasse, nach Lehrlingsvorschriften, Schnittanleitungen für Obstbäume oder der Höhe des Grundwassers. Unter anderem wird auch die Frage erhoben ,,Welchen Zweck und Vorteil hat der Local-Gewerbeverein?“

Die Zeichenschule

Lässt sich daraus ableiten, dass der Gewerbeverein doch älter ist als vermutet? – denn am 25. Februar 1888 wird im Zusammenhang mit dem Flurbereinigungsgesetz und dem Nutzen des Landgrabens nachgehakt: „In welcher Weise gedenkt der Bürgerverein den Localgewerbeverein zu unterstützen?“ Und am 3. März 1888 heißt es: „Welchen Nutzen bringt der Localgewerbeverein in Verbindung mit der Zeichenschule in hiesiger Gemeinde, um das Interesse für den so arg zurückgekommenen Verein neu zu beleben?“

Soziale Verantwortung

Wie auch immer: Fest steht, dass durch das Zusammenwirken von Bürgerverein und Gewerbeverein entscheidende gesellschaftliche Entwikklungen auf den Weg gebracht wurden, die insbesondere den sozial Schwachen dienen sollten. Noch im selben Jahr wurde ein Sanitätsverein und ein Kranken-Sterbekassen-Verein ins Leben gerufen, der helfend dazu beitragen sollte, die Probleme auf diesen Gebieten abzudecken. Und gerade auch die Einführung der Zeichenschule – als Vorläuferin der heutigen Berufsschule zu verstehen – macht das Bestreben um Unterstützung der Jugend und des beruflichen Nachwuchses deutlich.

Beleuchtung mit Öl und Gas

Nicht zuletzt ging auf die Initiative des Bürgervereins auch die Beschaffung einer Straßenbeleuchtung für die Gemeinde zurück. Im Jahre 1889 wurden 59 Öllampen installiert. Gut zehn Jahre später rüstete man bekanntlich auf Gasbeleuchtung um, nachdem die Firma Karl Francke aus Bremen auf dem Gelände der ehemaligen Firma Fahrzeugbau Nothnagel ein Gaswerk errichtet hatte und so die Gemeinde mit einer neuen Energieform versorgen konnte.

Mit vereinten Kräften hat man also versucht, aus den kärglichen Lebensumständen der damaligen Zeit das Beste zu machen.

 

Mit kollegialer Solidarität, starkem Leistungsprofil und kreativen Impulsen

„Wino“ Nothnagel war Mann der Ersten Stunde – Neustart mit Martin Ebli

Der Gewerbeverein Griesheim war nach dem Kriege alles andere als ein mitgliederschwacher Verein, und selbst der Vereinsvorstand, mit dem agilen Schmiedemeister und Wagenbauer Wilhelm Nothnagel an der Spitze, brachte alle Voraussetzungen für ein lebendiges und nach außen wirkungsvoll dastehendes Vereinsleben mit. Aber in den Zeiten des Wirtschaftswunders der fünfziger Jahre – viele Griesheimer Unternehmen und Geschäfte waren im schwungvollen Aufbau und Aufwind begriffen – schienen die meisten Firmeninhaber mehr mit sich und dem eigenen Betrieb beschäftigt, als mit einer übergreifenden Organisation und Interessenvertretung wie dem Gewerbeverein. Es waren mühevolle Jahre für den Verein, der trotz weitgehender Passivität seiner Mitglieder im Jahre 1961 dennoch knapp über 180 Griesheimer Unternehmen als Beitragszahler registriert hatte.

Weihnachtsbeleuchtung

Ein großes Thema indessen für den Verein, das laut alter Protokolle mehrere Vorstandssitzungen beschäftigte, war 1963 die geplante Installation einer dekorativen Weihnachtsbeleuchtung. Mehrere Gespräche wurden damals auch mit dem amtierenden Bürgermeister Georg Bohl geführt, doch zur Realisierung dieses Vorhabens kam es nie.

800-Jahrfeier mit Bill Ramsey

1965, als Griesheim seine 800-Jahrfeier beging und gleichzeitig die Stadtrechte erhielt, war für den Gewerbeverein Anlass gegeben, nicht nur seinen Mitgliedern, sondern vor allem den Kunden und der Bevölkerung am Ort ein außergewöhnliches Ereignis zu bieten. Am 3. September des selben Jahres lud man die Griesheimer zu einem Gala-Abend auf den Festplatz an der Sterngasse, wo der damals weithin bekannte Schlagerstar Bill Ramsey auftrat und für Begeisterung sorgte.

Autokino im Autobahndreieck

Mit dem Wechsel des Bürgermeisters – zwischenzeitlich hatte Hans Karl die Nachfolge von Georg Bohl angetreten – sah sich auch der Gewerbeverein mit revolutionierenden Ideen konfrontiert. Ein großes Einkaufszentrum mit Autokino im Autobahn-Dreieck des gerade fertiggestellten Darmstädter Autobahnkreuzes hatte Bürgermeister Hans Karl gedanklich skizziert als eine bedeutende Chance für Griesheim und insbesondere seine Geschäftswelt. Geschäfte, Läden und Boutiquen sollten von hiesigen Einzelhändlern eingerichtet und betrieben werden und Arbeitsplätze schaffen. Vor allem aber sollte damit auch ein Gegengewicht zu den Planungsabsichten der Stadt Darmstadt gebildet werden, die damals noch an der heutigen Tunnel-Lösung und an der Konzeption des Luisen-Centers bastelte. Aber diese Vorstellungen ließen sich damals nicht in die Realität umsetzen. Vielleicht sähe es in Griesheim heute völlig anders aus!

Ehrenvorsitz für ,,Wino“

Vorsitzender Wilhelm Nothnagel, der als Inhaber der Firma Fahrzeugbau Nothnagel viele Jahre dem Gewerbeverein vorgestanden hatte, schied am 6. Juni 1969 im Rahmen einer Jahreshauptversammlung aus dem Amt. ,,Wino“ – wie man ihn nannte – wurde wegen seiner Verdienste um den Verein von der Versammlung einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Seine Nachfolge trat Heinrich Köhler an.

Dornröschenschlaf

Das Interesse der Mitglieder an der Notwendigkeit einer Standes- und Interessenvertretung aber sank von Jahr zu Jahr. Zu den Versammlungen kam kaum mehr als eine Handvoll Unentwegter, die sich erfolglos mühten, dem Verein neue Impulse zu verleihen. 1976 dachte der Vorstand ernsthaft an eine Auflösung des Vereins, oder zumindest an die Umwandlung in eine Stiftung. Beides scheiterte zum einen aus juristischen Gründen, zum anderen, weil bei den Versammlungen aufgrund der wenigen Anwesenden nicht einmal Beschlussfähigkeit herbeigeführt werden konnte. Der Gewerbeverein versank in einen Dornröschenschlaf, entschwand zu einem „ruhenden Verein“.

Neue Unternehmergeneration

Eine junge Unternehmergeneration war an der Schwelle der siebziger und achtziger Jahre herangewachsen; neue Begriffe waren in den Hirnen der Marktforscher geboren worden – wie „Kundennähe“, „Marketing“, „Corporate Identity“; die Konkurrenzsituation wuchs; die Ansprüche der Verbraucher stiegen weiter an und damit das Angebot an Waren und Dienstleistungen; durch den Einzug der Computertechnik veränderten sich Produktionsprozesse; die verkürzte Arbeitszeit auf der einen, die steigende Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite stellten die Betriebe vor neue Aufgaben und gleichzeitig gesellschaftliche Verpflichtungen; auch ein betriebswirtschaftliches Umdenken musste Platz greifen.

Chance für Stadt und Bürger

Fast gleichzeitig zu dieser Entwicklung fand eine Öffnung der Stadt Griesheim statt, die engagierten und risikofreudigen Geschäftsleuten die Chance bot, an der neuen Geschäftsstraße im Herzen der Stadt neu und repräsentativ zu bauen, um dem Stadtbild dadurch ein spezifisches Gepräge zu verleihen. Wissend um die Vorteile des unternehmerischen Miteinanders, des Verwirklichens einer Chance für die Stadt und ihre Bürger, merkantile Lebendigkeit zu initialisieren, entsprang im Winter 1984 die Idee, den Gewerbeverein wieder zu aktivieren.

Ein neues Kapitel

Anfänglich nur eine kleine Schar, die mit den Initiatoren Martin Ebli und Wolfgang Bassenauer erste Überlegungen austauschte, zog die Begeisterung einen unerwartet großen Sog von alten und neuen Mitgliedern nach sich. Über 50 Firmeninhaber waren schon bei der ersten offiziellen Zusammenkunft am 4. April 1984 zusammengekommen, und ohne Zögern setzte man den Termin für eine außerordentliche Generalversammlung auf den 16. Mai fest. Der noch amtierende einstige Vorstand unter Federführung von Heinrich Köhler trat geschlossen zurück, und am 23. Mai 1984 wählte die Versammlung Martin Ebli einstimmig zu ihrem 1. Vorsitzenden. Ein neues Kapitel in der Geschichte des Gewerbevereins war aufgeschlagen.

Konzertierte Aktionen

Der Themen, der Probleme aber auch der gesellschaftlichen Anlässe gab es viele. Ein Sofortprogramm wurde entwickelt, um gemeinsam mit den Mitgliedsfirmen und in Zusammenarbeit mit der Stadt, Schulabgängern oder arbeitslosen Jugendlichen umgehend eine Ausbildungsstelle oder einen Arbeitsplatz anbieten zu können. Das Ergebnis war beeindruckend. In diesem Zusammenhang hat der Gewerbeverein auch zu allen im Griesheimer Stadtparlament vertretenen politischen Parteien das konstruktive Gespräch gesucht, ohne selbst Partei sein zu wollen. So konnten Verbindungen in verschiedene Richtungen geknüpft werden, die Dialog- und damit Konsensfähigkeit erhalten und fördern sollten, somit besaßen diese konzertierten Aktionen auch gemeinschaftsbildenden Charakter.

Erste Gewerbeausstellung

Bereits ein gutes Jahr später, im Herbst 1985, veranstaltete der Gewerbeverein mit seinen Mitgliedern die 1. Griesheimer Gewerbeausstellung nach dem Kriege und stieß damit auf außerordentlich große Resonanz bei Ausstellern und Messebesuchern zugleich.

Weit über 7 000 Gäste waren zu dieser Leistungsschau der heimischen Wirtschaft gekommen und zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt des Angebots und des technisch hohen Standards der Betriebe.

Großer Beliebtheit erfreuen sich seit des Neubeginns die alljährlichen Neujahrsempfänge, die der Gewerbeverein zunächst im Georg-August-Zinn-Haus gab, später im Saal des ,,Grünen Laub“, schließlich im Pavillon des Hauses Waldeck, und die einst musikalisch begleitet wurden von dem Griesheimer Profi-Schlagzeuger Bobby Beck und seiner Jazz-Combo. Dieses Neujahrsempfänge führten und führen bis heute in Verbindung mit hochkarätigen Festvorträgen namhafter Referenten auf gesellschaftlicher Ebene Persönlichkeiten aus Politik, Vereinen und Verbänden, Verwaltung und Wirtschaft zusammen, um Gespräche zu führen, Kontakte zu vertiefen, sich zu unterhalten.

Gewinn für die ganze Stadt

Nach Martin Ebli übernahm Wolfgang Bassenauer 1994 den Vorsitz des Gewerbevereins, und im Jahre 2007 trat Roland Busch, bis heute amtierender 1. Vorsitzender, die Nachfolge an. Mit seinen Aktivitäten hat der Gewerbeverein in den letzten Jahren ein neues Solidaritätsgefühl seiner über 200 Mitgliedsfirmen erzielen können, die – durch diesen Verbund gestärkt – hoffnungsvoll in die Zukunft hineinarbeiten können.
Durch die spürbare strukturelle Neuorientierung – auch in Verbindung mit der früheren Werbegemeinschaft ,,Einkaufsziel“ – profitiert bei den verkaufsoffenen Sonntagen und dem neu etablierten Firmenlauf nicht allein das einzelne Unternehmen in den Bereichen Handel, Handwerk und freien Berufen, sondern es gewinnt eine ganze Stadt mit ihrer Bevölkerung an Profil, Kraft und Selbstwertgefühl.

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Der Vorstand im Frühjahr 2013 (vlnr):
Axel Caspar, Dirk Olten, Roland Busch, Jochen Birli,
Jörg Ruf, Gerhard Krocker, Sabina Gleich,
Sabine Schäffer, Michael Meissner