Kommentar zum Thema: Ärger über Trittbrettfahrer

Griesheimer Anzeiger, 17.06.2009 | Beim Gewerbeverein gab es während der Generalversammlung am 16. Juni gleich drei Punkte, die die Gemüter erhitzten oder die zumindest kontrovers diskutiert wurden. Zum einen ist der Ärger groß über die Trittbrettfahrer, die an Verkaufsoffenen Sonntagen gerne den Besucherstrom nutzen, der auch durch Aktionen vom Gewerbeverein und dessen Werbung erst ausgelöst wird – den solidarischen Obolus, der zur Kostendeckung herangezogen werden soll, sind eine Reihe von Einzelhändlern entlang der Einkaufszeile aber nicht willens zu zahlen.

Mehrfach forderten Mitglieder auf der Generalversammlung, man solle die Namen der „schwarzen Schafe“ doch nennen. Als dies vom Vorstand des Gewerbevereins abgelehnt worden war, gingen besonders clevere Mitglieder dazu über, die Namen derer zu fordern, die bereitwillig ihren Beitrag bezahlt hatten. Doch auch auf dieses Spiel ließ sich der 1. Vorsitzende Roland Busch nicht ein. Er sei beim letzten Verkaufsoffenen Sonntag direkt in die Geschäfte derer gegangen, die sich nicht an den Kosten beteiligten, und habe sie aufgefordert, ihren Teil beizutragen. Aber da sei er nur auf taube Ohren gestoßen. Rechtlich hat der Gewerbeverein nichts in der Hand, um gegen die Nutznießer von selbst organisierten und auch bezahlten Aktionen vorzugehen.

Der zweite Aufreger drehte sich um die im Mai durchgeführte Gewerbeschau. Der 2. Vorsitzende Gerhard Krocker zog ein ernüchterndes Fazit: „Die Gewerbeausstellung hat sich nicht getragen.“ Trotz Einnahmen in Höhe von 25 000 Euro seien die Ausgaben höher ausgefallen. Und das, obwohl die Stadt den Ausstellern und dem Veranstalter mit allerlei Hilfen unter die Arme gegriffen habe – sei es durch die Finanzierung von Publikumsmagneten wie einem Zauberer und der „Maus“ oder durch das tatkräftige Anpacken durch Mitarbeiter des städtischen Bauhofs. Wie also kommt man zu einem positiven Saldo? Auf der Ausgabenseite gebe es kaum Einsparpotenzial, war die überwiegende Meinung. In die Runde geworfen wurde der Vorschlag, eine Sonderumlage einzuziehen, um die Grundkosten abzudecken. Der Geschäftsführer eines Mitgliedsunternehmens berichtete, er habe im Frühjahr an vier Messen teilgenommen, und in Griesheim seien die Standgebühren mit Abstand am geringsten gewesen. Die Kosten könnten also dort beglichen werden, wo sie auch entstehen: bei den Teilnehmern der Gewerbeschau.

Drittens regte der Vorstand die Diskussion um eine Satzungsänderung an. Sollten auch Filialisten Mitglieder des Griesheimer Gewerbevereins werden können? Auf der einen Seite wurde argumentiert, man gebe damit die ursprüngliche Idee und Hauptmotivation des Gewerbevereins auf, nämlich eine Plattform für die Gewerbetreibenden vor Ort zu sein. Vertreter dieser Position bekräftigten, dass man als Fachhändler mit individueller Beratung des Kunden in Konkurrenz zu den Filialisten stünde. Eine Satzungsänderung öffne den „Großen“ Tür und Tor. Befürworter einer Öffnung des Gewerbevereins hin zu Filialisten wie „Selgros“, „Lidl“, „Aldi“ oder „tegut“ verwiesen auf die enorme Finanz- und Wirtschaftskraft, die dem gesamten Verein zugute käme. In Weiterstadt sei zum Beispiel das Möbelhaus „Segmüller“ Mitglied des dortigen Gewerbevereins und greife mit üppigen Spenden kräftig unter die Arme des Vereins. Einigen schien die Aussicht verlockend, mit der Finanzkraft der Filialisten auch in Griesheim die Einnahmenseite etwas aufzubessern. Roland Busch kündigte an, in einem nächsten Schritt die Meinung der 200 Mitglieder zu einer möglichen Satzungsänderung einzuholen.

Quelle: Griesheimer Anzeiger, Dies und Das aus dem Stadtgeschehen